VDA-Bundeskongress 2011 (100jähriges Jubiläum)

Nachdem wir morgens die Terraristikabteilung und die Aquaristikabteilung des Berliner Zoo Aquarium besucht hatten, warteten nun mehrere interessante Vorträge auf uns. Die Referenten zeigten die Welt der Vivaristik, wie man sie nicht alle Tage zu sehen bekommt. Um die gemischten Forschungs- und Reiseberichte richtig geniesen zu können, muss man die Referenten live erleben. Jeder von ihnen hat seine eigene Art, von den Dingen zu berichten, die wir als Zuschauer/Zuhörer persönlich wohl kaum einmal selbst in der Form erleben werden. Das können sicher viele Besucher der Vorträge bezeugen. Wir empfehlen, den Vereinen des VDA, die Referenten zu sich in die Vereinsheime einzuladen. Die Vorträge sind wirklich sehr interessant und vermitteln viel von der wissenschaftlichen Arbeit der Referenten und von der Freude, mit der sie ihre Reisen vorbereiten, durchführen und dokumentieren.

Ein erwartungfrohes Publikum hatte im Saal und auf der Empore Platz genommen und harrte der Dinge die da kommen – und es kamen gewaltige Dinge. Für jeden echten Vivarianer sollte etwas dabei gewesen sein, Galapagos, Schildkröten, Thailand, Wasserpflanzen, Sulawesi, Garnelen, Afrika, Barsche, Malawisee, Rotes Meer, Tauchen und natürlich sehr gute Referenten. Das hier ist übrigens nicht die Presse, auch wenn es so aussieht. Es handelt sich um waschechte Aquarianer, die das Geschehen für die Ewigkeit festhalten wollen, für die zu Hause gebliebenen und für die, die später noch einmal alles an sich vorbeiziehen lassen und genießen wollen. Dank ihnen und einiger anderer wird es mehrere Textbeiträge aber auch viele Bilder und Videos im Netz zu sehen geben.

Vortragsreihe Tag 1

Inseln der Drachen – die Reptilien der Galapagos Inseln – Dr. Wolfgang Staeck

Leider war es mir nicht vergönnt den Vortrag von Dr. Wolfgang Steack live zu erleben. Aber ich habe bei aqua-media.tv ein interessantes Portrait  von ihm gefunden. Es lohnt sich da einmal reinzuschauen. Dr. Wolfgang Staeck im Video von aqua-media

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Thailand – 7000 Kilometer auf der Suche nach Wasserpflanzen – Christel Kasselmann

Mit einer sehr schönen Geste begann Christel Kasselmann ihren Vortrag. Sie überreichte unserem VDA-Präsidenten Dr. Stefan Hetz eine große Barclaya longifolia (Langblättrige Barclaya). Diese schöne Wasserplanze gehört zu den Seerosengewächsen und stammt aus Südthailand. Christel selbst hatte von ihrer Thailandtour nur eine Pflanze mitgenommen. Diese Pflanze hatte sie einem erfahrenen Wasserpflanzengärtner zum Zweck der Vermehrung gegeben. Die Vermehrung der recht anspruchsvollen Pflanze war so erfolgreich, dass sie einige Pflanzen zurückbekam. Ein besonders schönes Exemplar wurde nun symbolisch zum Anlass des 100-jährigen VDA-Jubiläums an Stefan übergeben.

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Süßwassergarnelen aus den alten Seen Sulawesis – Dr. Thomas von Rintelen

In seinem Vortrag stellte Dr. Thomas von Rintelen einen Teil der in den alten Seen Sulawesis lebenden Garnelen und deren Systematik vor. Der Vortrag war trotz des wirklich sehr wissenschaftlichen Backgrounds allgemeinverständlich und gab interessante Einblicke in die Evolutionsgeschichte der Kleingarnelen. Mich regte der Vortrag zusätzlich an, den wissenschaflichen Bericht von Kristina von Rintelen und Yixiong Cai, der Basis des Vortrages war und der mir seit Dezember 2009 bekannt ist, endlich einmal etwas detailierter zu lesen. Schließlich befasse auch ich mich seit kurzem mit Süswassergarnelen. Manchmal braucht es eben eines solchen Anstoßes.

Impressionen aus Westafrika – Marco Hasselmann

Die während seiner Fischfangexpedition in Westafrika gemachten Fotos präsentierete Marco Hasselmann in seinem Vortrag „Impressionen aus Westafrika“ in seiner typisch lockeren Art, die beim Publikum auf Begeisterung stieß. Das eine solche Tour durch nicht wirklich erforschte Gebiete nicht gerade einer Pauschaltouristen-Reise gleicht, davon zeugten die vielen kleinen Geschichten die Marco zu den Bildern erzählte. Man wird da schon mit Dingen konfrontiert, die der Pauschaltourist sofort beim Reiseveranstalter bemängelt hätte. Das begann schon bei der Anreise nach Afrika und setzte sich dann mit den vielleicht nicht ganz so tollen Unterkünften fort. Auch die Transportmittel, die Marco und seine Mitstreiter nutzten, waren manchmal nicht so ganz das Wahre. Vielleicht war das Boot auch nur etwas überbesetzt. Auf den ersten selbstgefangenen Fisch war man dann natürlch – seeeehr – stolz, wie sollte es anders sein. Fischefangen in Gummihosen, die bis unter die Achseln reichen, von AUßEN wird man da sicherlich nicht nass. Ja, und dann die vielen schönen und farbenfrohen Fische, die wir alle aus unseren Aquarien kennen. Irgendwie macht diese Fischfangtour Lust darauf so etwas einmal selbst zu unternehmen. Wer wissen will, wie es geht, der sollte Marco Hasselmann einmal zu sich ins Vereinsheim einladen. Er verrät da sicherlich so ein paar Tricks, wie man die Tour vorbereitet und dann unbeschadet überleben kann.

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Vortragsreihe Tag 2

Beobachtungen bei Tauchgängen im Roten Meer – Christian Wyrwich

Der zweite Tag begann mit dem für mich persönlich interessantesten Vortrag „Beobachtungen bei Tauchgängen im Roten Meer“. Christian Wyrwich hat mehr als 300 Tauchgänge im Roten Meer absolviert. Er kennt das Rote Meer vom nördlichen Teil am Sinai, über Safaga, El Quisir bis zum südlichen Teil der ägyptischen Küste im Grenzgebiet zum Sudan, aber auch die traumhaften Korallenriffe an Saudi Arabiens Küste. In seinem Vortrag präsentierte er wunderschöne Unterwasseraufnahmen. Bei vielen seiner Fotos wies er immer wieder auf Dinge hin, die der Betrachter beim ersten Hinsehen gar nicht wahrnahm, zum Teil winzige Tiere, die auf großen Korallen, einer Spanischen Tänzerin, oder auf großen Fischen herumkrabbelten. Diese Bilder auf der Leinwand zu sehen und dazu die Tauchgeschichten von Christian Wyrwich zu hören, das ist ein Highlight, für das es sich als Verein lohnt, ihn zum Vortrag ins Vereinsheim oder besser noch in die Stadthalle zu holen.

Biotope und Bewohner des Malawisee – Dr. Andreas Spreinat

Da wir in Rosenheim extrem hartes Leitungswasser haben, ist es naheliegend, dass es bei uns entsprechend viele Malawi-Barsch-Freunde gibt. Folglich waren die Scalare-Rosenheim beim Vortrag „Biotope und Bewohner des Malawisee“ von Dr. Andres Spreinat fast komplett anwesend. Jeder, der schon einmal im Malawisee unterwegs war oder Reportagen darüber gesehen hat, der weiß, dass es mitunter gar nicht so einfach ist, dort schöne Unterwasserfotos zu machen. Oft ist das Wasser trübe, außerdem sind die Fische sehr schnell. Da braucht es schon einiges an Erfahrung. Schade, dass ausgerechnet für diesen Vortrag der Veranstaltungsraum nicht ausreichend abgedunkelt war, so dass man auf manchen Bildern oft nur ahnen konnte, was es eigentlich zu sehen gab. Dank meiner Kamera habe ich während des Vortrages deutlich mehr von der Farbenpracht der Fische im Malawisee festhalten können, als so mancher live gesehen hat.

Sehr interessante Bilder sind dem Referenten gelungen, als er Jungtiere führende Malawiebarsche filmte und fotografierte. Er beschrieb, wie sich Jung- und Alttiere in unterschiedlichen Situationen verhalten. Manchmal erkennen die Alttiere eine Gefahr, von der die Jungtiere nichts wissen. Deshalb werden die Kleinen, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen könnten, in null komma nichts ins Sicherheit bietende elterliche Maul gesaugt. In anderen Situationen erkennen die Alttiere keine Gefahr, die Jungen wollen aber unbedingt ins sicher Maul des Altfisches. Dann muss das Alttier die kleinen Fischlein eben ins Maul schwimmen lassen ohne ein besonderes Interesse dabei zu haben. Am Interessantesten aber war es, als Dr. Andreas Spreinat Filmaufnahmen zeigte, in denen ein Schwarm junger Malawibarsche sogar Schutz in der zur Höhle geformten Hand eines Tauchers suchten. Diese Filmaufnahme stammt von Mario Cecchett.

 

VDA-Bundeskongress 2011 (100jähriges Jubiläum)
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