Ich möchte mit meinem Bericht aufzeigen, dass es gar nicht so schwierig, bzw aufwendig ist, ein Meerwasserbecken einzurichten und zu betreiben, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Allerdings möchte ich auch betonen, dass dieses Hobby Zeit und Geld kostet. Die Investitionen und auch die laufenden Kosten der Meerwasserbecken sind höher als die der Süßwasseraquarien. Die Methode, klein anzufangen und dann nach und nach auszubauen, funktioniert nicht. Die Tiere stellen bestimmte Bedingungen an Wasserqualität, Licht und Strömung. Wenn ein Faktor nicht stimmt, bedeutet das fast immer den Untergang des Systems, was meistens einen Neubeginn erfordert. Es gibt zwar immer Tiere, die die schlimmsten Becken überleben, aber unser oberstes Ziel sollte sein, die Tiere optimal und artgerecht zu hältern, zu pflegen und nicht auszuprobieren, wie viel die Tiere noch ertragen können!

Benötigte Technik

  • Das Aquarium
    Das Becken kann prinzipiell nicht groß genug sein, auf jeden Fall gilt die Regel: Je größer das Aquarium, desto höher die Stabilität der Wasserwerte und der Biologie, wobei die Größe aber auch von der Stabilität des Aufstellplatzes(Statik) und des Geldbeutels abhängig ist.
  • Die Filterung
    Je nach Aquarium über Filterbecken, Innen- oder Topffilter. Ich persönlich bevorzuge als Filtermaterial im Meerwasserbecken Zeolith, Filtermatten und Aktivkohle.
  • Die Beleuchtung
    T5 Lampen kombiniert mit HQI ist meiner Meinung nach die beste Lösung (1Watt HQI pro Liter Wasser). Die meisten Tiere wachsen bei mehr Licht besser. Mehr Licht verhilft durch die erhöhte Photosynteseaktivität der Korallen (Symbiose mit eingelagerten Algen) sowie anderer Algen zu einem stabileren biologischen Gleichgewicht.
  • Der Abschäumer
    unentbehrlich und wichtiger als der biologische Filter. Siehe auch bei Wikipedia
  • Die Strömung
    Das Beckenvolumen sollte pro Stunde mindestens 10 mal umgewälzt werden. Am sinnvollsten wäre es, mit 2 Strömungspumpen zu arbeiten und sie jeweils 6 Stunden laufen zu lassen. Dadurch wird zum einen Ebbe und Flut simuliert, zum anderen werden aber auch „Dreckecken“ vermieden.

Zum Schluss benötigen wir noch lebende Steine. Lebende Steine sind aus natürlichen Riffen herausgebrochene Rifffragmente. In und auf ihnen befindet sich eine Vielfalt von Bakterien, Algen, Einzeller und viel Kleingetier. Nicht nur wegen der sichtbaren Tiere, die nach und nach aus den Steinen wachsen oder herauswandern (Schnecken, Würmer Korallen Anemonen usw) , sondern auch wegen der Kleinstlebewesen wie Bakterien, Schwämme und Einzeller, die wichtige  Stoffumwandlungsprozesse vollziehen, werden die Steine im Riffaquarium benötigt. Die Gefahr bei lebenden Steinen besteht im Eintrag von unliebsamen Gästen, wie z.B. Fangschreckkrebsen, Feuerborstenwürmern oder Glasrosen usw. Für mich war es bei jeder neuen Beckeneinrichtung immer wieder spannend und faszinierend zu sehen, was aus den Steinen gekrabbelt kam oder gewachsen ist. Ich sage immer: „ist wie beim Überraschungsei, man weiß nie was drin ist“. Lebende Steine sollten immer nach „Meer“ riechen. Faulig stinkende Steine sollten auf keinen Fall gekauft werden. In der Regel kosten sie zwischen 10-15 Euro/Kg, je nach Herkunft. Finger weg von lebenden Steinen, die im Handel für deutlich unter 10 Euro angeboten werden, diese sind entweder von schlechter Qualität (schlechte Lagerung/Transport) oder keine lebenden Steine.

Einfahrphase des Riffaquariums

Zuerst wird der Bodengrund und totes Gestein für den Riffunterbau eingebracht. Der Aufbau sollte stabil und abwechslungsreich mit vielen Höhlen, Überhängen, Riffpfeilern und Sandflächen sein. Jetzt wird das Becken mit Osmosewasser gefüllt und mit speziellem Meersalz „aufgesalzen“ auf eine Dichte von 1,022-1,024. Nach einer Woche kann mit dem Besatz der lebenden Steine begonnen werden. Diese sollten jetzt so in denn bisherigen Riffaufbau integriert werden, dass ein fertiges Riffbild entsteht. Anschließend beginnt die eigentliche Einfahrphase. In dieser Zeit spielt die ganze Biologie verrückt und findet nach und nach wieder zu sich.

Die meisten lebenden Steine kommen von weit her und sind dementsprechend erst einmal eine Belastung für das noch relativ frische, teils noch aggressive Salzwasser. Das hat den Hintergrund, dass die Bakterien in den Steinen, die feucht in Styroporkartons verschickt werden und teilweise zwei Tage unterwegs sind, zuerst einmal zum Großteil abgestorben sind, oder dieses in den ersten Tagen im Aquarium tun. Der Abschäumer hat zu diesem Zeitpunkt alle Hände voll zu tun und muss permanent kontrolliert und entleert werden.

Wie beim Süßwasseraquarium kann man jetzt eine Hand voll Bodengrund oder Filtermaterial aus einem schon länger laufenden Aquarium einsetzen, das nennt man impfen. Dies hat den Vorteil, dass man sich damit nicht nur den Beckenstart erleichtert und nützliche Bakterien einbringt, sondern auch Kleinstlebewesen, die sich im Bodengrund befinden. Da man meist toten Sand benutzt, werden hier nun die eingebrachten Kleinsttiere das neue, noch saubere Biotop in Besitz nehmen und sich langsam aber stetig vermehren.

Zu Beginn werden erst einmal Kieselalgen wachsen. Das äußert sich durch braune unschöne Beläge auf dem Bodengrund, auf der Deko und auf den Scheiben. Das ist ganz normal, Algen gehören zu den „Erstbesiedlern“. Die Kieselalgen werden mit der Zeit durch Aufnahme von Silicat weniger. Wer Leitungswasser statt Osmosewasser genommen hat, muss damit rechnen, dass dieser Prozess länger dauern kann. Abhilfe kann in diesem Fall ein Silicatabsorber schaffen. Mit dem Wachstum der Kieselalgen beginnt aber auch gleichzeitig das Wachstum auf den Steinen, die man eingesetzt hat. Zumeist sind das Fadenalgen, die ebenfalls nicht erwünscht sind. Jetzt ist der beste Moment, um höhere Algen der Art Caulerpa einzusetzen. Diese stehen in direkter Nahrungskonkurrenz zu den Fadenalgen und sind someist eher in den Griff zu bekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt kann die Beleuchtung auf ein Maß von 6 Std. gehalten werden und erst nach 2-3 Wochen auf die geplante Zeit erhöht werden.

Sobald die ersten Grünalgen erkennbar sind, sollten sehr bald die ersten Algenfresser eingesetzt werden, wie z.B. Seeigel, Einsiedlerkrebse und pflanzenfressende Fische wie z.B. Algenblenni. Vorher sollten aber die Wasserwerte untersucht werden und sich mindestens eine Woche nicht mehr verändert haben.

  • Nitrit -0
  • Nitrat-unter 10 mg/l
  • Ammoniak-0

In den nächsten Wochen lässt dann das Algenwachstum nach. Trotzdem geht das Algenwachstum weiter, nur eben nicht so schnell. Es wachsen dann besonders die Kalkrotalgen, die man sich auch mit den lebenden Steinen ins Aquarium geholt hat. Das ist für die Aquarianer dann das sichere Zeichen, dass die Einfahrphase dem Ende zugeht.

Wenn die Pflanzenfresser die Grünalgen im Griff haben und auch die Schmieralgen größtenteils verschwunden sind, können niedere Tiere wie z.B. Lederkorallen oder Scheibenanemonen eingesetzt werden. Sobald sich die niederen Tiere wohl fühlen, also wachsen und auch die bereits eingesetzten Algenfresser ein natürliches gesundes Verhalten zeigen, können weitere Tiere eingesetzt werden, jedoch sollte der Besatz nicht schlagartig erhöht werden, sondern nach und nach, damit das Wasser und die Bakterien sich an die zusätzliche Belastung gewöhnen können. Besonders wichtig ist es, gerade in der Einfahrphase, die Wasserwerte permanent zu überwachen.

Die angestrebten Wasserwerte

  • Temperatur: 23-25 °C
  • Dichte: 1,021-1,025 je nach Besatz
  • Nitrit: nicht nachweisbar
  • Ammonium: unter 0,05
  • Ammoniak: 0
  • Nitrat: unter 10 mg/l
  • Calcium: 400-450 mg/l
  • Magnesium: 1300-1500 mg/l
  • Phosphat: unter 0,05 mg/l
  • PH-Wert: 7,5-8,5
  • Karbonat: 6,5-8 °dH

Abschließend möchte ich noch betonen, dass viele Wege zum Ziel führen. Meine Methode des Einfahrens ist nicht als Lehrbuchlösung anzusehen. Der wichtigste Grundsatz für das Einfahren eines Meerwasserbeckens lautet: „Lass die Finger raus und das Becken in Ruh..!!!“ Das ist schon der halbe Weg zum Ziel.

Wenn ich mit diesem Bericht etwas Neugier geweckt habe es selbst einmal zu versuchen, ein Meerwasserbecken einzurichten, hat es sich gelohnt diesen Bericht zu schreiben. Für Fragen und Anregungen steht unsere Meerwassergruppe jederzeit zur Verfügung. Das gilt insbesondere für Anfänger.

Einfahren eines Meerwasseraquariums